Auch zum 60. Geburtstag habe ich ein Gespräch mit Johannes Mario Simmel geführt. Das Frage- und Antwortspiel vom 7. April 1984:
Mit 60 denken viele Menschen an den Ruhestand. Können Sie sich vorstellen, eines Tages keine Bücher mehr zu schreiben?
Simmel: Ich denke nicht an den Ruhestand. Ich werde weiterschreiben. Nein, ich kann mir nicht vorstellen, keine Bücher mehr zu schreiben. Ich glaube, wenn man mir verbieten würde zu schreiben - verzeihen Sie die großen Worte, es ist so - dann würde ich wahrscheinlich sterben.
Wenn Sie den 20jährigen Simmel herbeizaubern könnten, was würden Sie ihm sagen über das Leben, das vor ihm liegt?
Simmel: Ich glaube, ich würde ihm Hemingways berühmten Satz sagen: Das Leben kann dich töten, aber es kann dich nicht vernichten.
Sie haben viele Menschen kennengelernt. Wer hat Sie am meisten beeindruckt und warum?
Simmel: Bertrand Russell. Er war ein Genie. Er hatte einen wunderbaren Humor. Er kämpfte ein Leben lang gegen die Dummheit und für den Frieden.
In unseren Tagen haben Weltuntergangs-Philosophen Hochkonjunktur. Fürchten Sie, dass Sie das Ende der Menschheit noch erleben müssen?
Simmel: Ich bin Pessimist. Es kann sein, dass ich das Ende der Menschheit noch miterlebe. Oder es wird bald nach meinem Tod so weit sein. Und mit "bald" meine ich 10 bis 30 Jahre.
Jede Generation tritt an, um alles ganz anders zu machen als die Väter. Dieser Elan verschwindet meistens mit den Jahren. Was haben Sie sich erhalten von dem Zorn, den Träumen und Illusionen der Jugendzeit? Ist neuer Zorn, sind neue Illusionen und Träume hinzugekommen?
Simmel: Es ist noch derselbe Zorn auf Gewalttat, Lüge, Krieg, Dummheit...Und es sind noch dieselben Träume von Frieden, Gerechtigkeit, Freundlichkeit aller Menschen, die ich in meiner Jugend hatte. Neue sind nicht hinzugekommen. Auch keine neuen Träume.
Heinz-Peter Tjaden
Dienstag, 8. Mai 2007
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