Im Juni 1992 habe ich ein weiteres Exklusiv-Interview mit Johannes Mario Simmel geführt und diesen Artikel an viele Redaktionen geschickt:
Johannes Mario Simmel hält die Welt für krank, lange Zeit ist er sogar sicher gewesen: "Der Weg in die Katastrophe ist unvermeidlich. Vielleicht dauert es noch 20, 30 Jahre, länger aber nicht." In seinen jüngsten Romanen schimmerte jedoch Hoffnung durch, das Rezept für die Umkehr war plötzlich wieder: "Wenn jeder auf der Welt nur einen einzigen Menschen glücklich machen würde, dann wäre die ganze Welt glücklich." Wie glücklich ist Johannes Mario Simmel nach seinem Umwelt-Roman "Im Frühling singt zum letzten Mal die Lerche"? Darüber sprach Heinz-Peter Tjaden mit dem Bestsellerautor.
Sie haben in einem Interview gesagt, daß Sie an die Wirkung Ihrer Bücher glauben. Welche Wirkung hatte Ihr Roman "Im Frühling singt zum letzten Mal die Lerche" bisher?
Simmel: Mein Roman hat ungeheure Diskussionen und Absichtserklärungen von hohen und höchsten Stellen zur Folge gehabt. Ein konkretes Ergebis konnte ich nicht registrieren, es sei denn die unfaßbar gemeine Augenwischerei der Industrienationen beim Umweltgipfel in Rio und die brutale Offenheit von Mr. Bush, der gleich von vornherein erklärt hat, weder dem Artenschutzabkommen beitreten noch den Co2-Ausstoß seiner Industrie vermindern zu wollen.
Wieviele Exemplare von Ihrem Roman sind bis heute verkauft worden?
Simmel: Es wurden bislang im Hardcover, also noch ohne Buchgemeinschaften und Taschenbuchausgaben, mehr als 260 000 Exemplare des Buches verkauft.
Waren andere Bücher aus Ihrer Feder erfolgreicher?
Simmel: Natürlich war 1960 ein Buch wie "Es muß nicht immer Kaviar sein" erfolgreicher. Auch andere Romane haben in den siebziger Jahren und zu Beginn der achtziger Jahre noch Hardcover-Auflagen von 400 000 Exemplaren überschritten. Mittlerweile sind 260 000 ein, wie ich glaube, enormer Erfolg für eine Hardcover-Ausgabe - die "Clowns" brachten es in der Originalausgabe auf 225 000.
Sie arbeiten sicherlich auf Hochtouren an einem neuen Roman. Ein mögliches Thema wäre die deutsche Einheit. Da Sie nie verraten, woran Sie gerade arbeiten, gestatten Sie mir die Frage: Reizt Sie dieses Thema und warum?
Simmel: Ja, ich schreibe auf Hochtouren an einem neuen Roman. Wie Sie richtig vermuten, werde ich das Thema nicht verraten. Die Frage, ob mich die deutsche Einheit als Romanthema interessiert, kann ich ganz schnell und überzeugt mit nein beantworten.
Sie haben erklärt, daß Sie noch zwei, drei Romane schreiben wollen. Gibt es einen Autor, der nach Ihrer Auffassung eines Tages die "Simmel-Lücke" schließen könnte.
Simmel: Ihre Frage kann ich nicht beantworten, weil jede Antwort nur einer dummen Anmaßung gleichkäme. Es werden sich ganz gewiß haufenweise andere Autoren finden.
Heinz-Peter Tjaden
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